Drehbuch schreiben Teil 3 von 3

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Im letzten Teil wollen wir uns ansehen, welche Werkzeuge man zum Drehbuchschreiben verwendet und wie man eine Szene schreibt und alles zusammen fügt.

Werkzeug

Es gibt eine ganze Menge Programme im Internet, die man zu schreiben von Büchern und Drehbüchern verwenden kann. Ich persönlich verwende das Tool Scrivener. Es ist günstig und hat einen sehr guten Leistungsumfang, lässt aber jede Form von chicer Oberfläche vermissen. Letztlich muss man sich aber eines Bewusst machen, das Werkzeug macht kein Gutes Drehbuch. Es unterstützt lediglich. Excel und Word oder deren kostenfreie Derivate tun es eigentlich auch.

Es hat sich für mich als hilfreich heraus gestellt, mit Karteikarten zu arbeiten. Man kann jedem Motiv, jeder Szene, jeder Fragestellung eine Karteikarte geben und diese auslegen. Dadurch lassen sich Szenen gut organisieren, verschieben und man behält einen Überblick. Ich beginne üblicherweise mit der Haupthandlung gefolgt von den Nebenhandlungen. Wenn diese aufgereit sind, lässt sich schnell eine gute Struktur erarbeiten und Szenen erkennen die mehreren Handlungssträngen dienen können.

Szenen schreiben

Haben wir einzelne Szenen erarbeitet beginnt die Arbeit des Schreibens. Üblicherweise beginnt man mit der Szenischen Beschreibung. Was sehen wir, welche Zeit ist es, wer tritt auf. Diese Anweisungen sind möglichst kurz und nur dann beschreibend, wenn es unbedingt notwendig für den weiteren Verlauf ist. Wir schreiben keinen Roman. Dann werden die Handlungen der tragenden Personen beschrieben. Was tun sie, was sagen sie.

NACHT. EINE VERLASSENE LAGERHALLE. Es sind John, Jack und Henry zu sehen, die im kreis stehen und eine Karte mit einer Taschenlampe untersuchen.

JACK
Halt still ich kann nichts sehen.

JOHN
Ruhe! Wenn sie Z’s uns hören ist hier ganz schnell der Teufel los.

JACK LÖSCHT DIE LAMPE.

JACK
Ok, ich weiß wo wir lang müssen

Szenen Optimieren

Das klingt an und für sich nicht weiter schwierig. Der Knackpunkt ist natürlich, dass die Szenen auch gut sein müssen. Über das Dialogschreiben sind ganze Bücher verfasst worden, das lässt sich hier nicht in seiner epischen Breite erfassen. Man sollte die Charaktere so gut entwickelt haben, dass sie im Kopf mit einem sprechen. Dann haben sie eine Persönlichkeit entwickelt und haben ihren eigenen Sprachrythmus. Lassen sie sie realistisch reden. Das soll aber nicht heißen “so, wie in der Realität”. Die Charaktere können sich eines realistischen Satzbaus und einer realistischen Wortwahl bedienen. Aber die Dialoge selbst sind in der Regel sehr Straff. Man macht von möglichst wenig Füllwörtern und -sätzen Gebrauch. Kurze prägnante Sätze, die eine Information vermitteln. Ähnlich ist das auch bei den Szenen selbst:

Jede Szene muss etwas entscheidendes Beitragen

Eine Szene hat nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn sie entweder einen der Handlungsstränge voran treibt, wesentliche Informationen für die Fortführung der Handlung liefert oder die Charaktere vertieft. Wenn man sich auf DVD’s die Deleted Scenes bei Filmen ansieht stellt man fest, dass häufig die gelöschten Szenen genau diese Anforderung nicht erfüllen. Sie sind nett (vor allem wenn man den Film mag) aber sie tragen eigentlich nichts bei. Es gibt aber auch diverse andere Gründe Szenen zu streichen (bspw. die Länge des Films oder weil die Szene nicht den Ton des Films trifft).
Man sollte sich also bei jeder Szene die Frage stellen, wie bringt uns diese Szene weiter? Warum können wir sie nicht weg lassen? Was passiert wenn wir sie weg lassen?

Jede Szene sollte so kurz wie möglich sein

Man geht in eine Szene so spät wie möglich rein. Dann, wenn etwas passiert. Nein, kein Zuschauer will die 8 Stunden Observierung 1:1 sehen, er kommt dazu, wenn etwas entscheidendes passiert. Wir verlassen die Szene auch so bald wie möglich wieder und geben innerhalb der Szene das wieder, was nötig ist um die notwendigen Informationen an den Zuschauer weiter zu geben.

Eine Ideale Szene hat also einen prägnanten Dialog, treibt die Handlung voran, enthüllt neue Informationen, vertieft die Charaktere und ist noch Bildlich ansprechend. (Das darf man nie vergessen, denn immerhin geht es hier um einen Film). Ein gutes Beispiel einer solchen Szene ist bspw. bei Jäger des verlorenen Schatzes die Szene, wenn Dr. Jones von der Regierung aufgesucht wird und zur Bundeslade befragt wird.
Es werden Hintergrundinformationen zur Bundeslade gegeben, die für den weiteren Handlungsverlauf wichtig sind. Es wird mehr über den Charakter von Indiana Jones enthüllt. Bspw. wie gebildet er ist und sich selbst doch nicht mal als Experten betrachtet. Wer sein Mentor war etc. Die Szene ist optisch ansprechend durch den Hörsaal und die Veranschaulichungen an der Tafel und im Buch. Außerdem wird die Handlung voran getrieben, denn am Ende bekommt Jones den Auftrag die Bundeslade zu suchen ( in der Anschlussszene).

Nachdem wir uns also die Frage der Notwendigkeit einer Szene gestellt haben, müssen wir uns Fragen, ob wir uns auf das Wesentliche beschränken. Sind die Dialoge kurz und voller wesentlicher Informationen? Steigen wir spät ein und früh wieder aus?

Selbstverständlich sollte es auch Szenen und Dialoge geben, die allein der Unterhaltung dienen. Die alles etwas auflockern. Diese Szenen haben die Gleiche Berechtigung, wie die wesentlichen Szenen, denn das Kürzen soll uns allein dabei Helfen uns von allem zu trennen, das den Zuschauer langweilen könnte – ihn nicht unterhält.

Ausnahmen

Nachdem wir jetzt so viele Regeln aufgestellt haben, sei noch einmal versichert, dass dies kein Regelbuch ist, das alles in Stein meißelt. Viele Abhandlungen über das Schreiben von Drehbüchern werden ähnliches erzählen, mache etwas anderes. Keines davon ist allerdings die Wahrheit, denn letztlich entscheidet der Zuschauer, ob ihm ein Film gefällt. Manche Filme halten sich an keine Grundsätze. Meist sind das allerdings Kunstwerke, die allerdings weniger den kommerziellen Erfolg feiern, denn da geht es vor allem um Unterhaltung. Schauen wir uns aber einmal ganz gezielt einige Beispiele der Kategorie an ‘so sollte man es nicht machen, aber trotzdem funktioniert es’.

Quentin Tarrantino ist ein genialer Regisseur, dem sein unglaublichen Sachverstand über Filme bei jedem Werk ermöglicht auch altbekannte Regeln einfach zu brechen. Pulp Fiction hat eine völlig unzusammenhängende Erzählstruktur. Der Zuschauer kann beim ersten ansehen gar nicht begreifen, wie alles zusammen hängt. Das Ziel ist nicht ersichtlich. Dennoch wird es gut unterhalten, durch interessante Szenen, geniale Charaktere und absurde Dialoge – der zweite Bruch mit der Norm. Niemand schafft es wie Tarrantino einen völlig sinnlos erscheinenden Dialog zu schreiben, der den Zuschauer gleichermaßen fasziniert wie auch unbemerkt Informationen liefert. Der Dialog über den Big Mac bspw. erzählt uns eine Menge darüber wo Vincent die letzten Jahre gewesen ist. Auch der folgende Dialog über Marcellus und seine Frau geben uns Hintergrundinformationen, die später aufgegriffen werden.

Wild Things spielt ständig mit der Erwartungshaltung des Zuschauers um im nächsten Moment einen Wendepunkt raus zu hauen, der dem Film eine völlig neue Richtung gibt.

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